Jurypreis: MIGRANTS

Frankreich 2020, Animationsfilm von Zoé Devise, Hugo Caby, Antoine Dupriez, Aubin Kubiak und Lucas Lermytte

Der Animationsfilm MIGRANTS verknüpft zwei der wichtigsten Problemfelder unserer Zeit, die eng zusammenhängen: die Klimakatastrophe und die weltweite Migration. Über das Realfilm-Schlussbild löst sich der vermeintlich kindliche Zugang, die Geschichte durch animierte Stofftiere zu erzählen, in harsche Realität auf.

Die Jury würdigt speziell die handwerkliche Umsetzung der Animation. Allerdings ist uns die Filmmusik zu kitschig. Auch wenn uns die Gesamtdramaturgie überzeugt, hätte die Entwicklung der Charaktere differenzierter ausfallen können. Nach langer kontroverser Diskussion haben wir uns dennoch leichten Herzens für MIGRANTS entschieden.

Publikumspreis: MY MIRROR

Indien 2020, Experimentalfilm von Jayakrishnan Subramanian und Franziska Schönenberger

Die einsame, frisch verheiratete Mythili erhält mit ihren Gesangsvideos in einer interaktiven App die lang ersehnte Aufmerksamkeit eines anderen Users, die ihr im Ausland arbeitender Mann Ramesh ihr nicht geben kann. Als er dieses Doppelleben entdeckt und sie damit konfrontiert, dreht die am Boden zerstörte Mythili ein Video von ihrem eigenen Selbstmord. Basierend auf wahren Begebenheiten.

» Videogrüße der Regie auf YouTube

Jurypreis und Publikumspreis: LIEBE, PFLICHT & HOFFNUNG

Deutschland 2020, Spielfilm von Maximilian Conway.

Mit großer Klarheit, Sensibilität, aber auch leisem Humor porträtiert der Gewinnerfilm das Schicksal einer Außenseiterfigur, die stellvertretend für all diejenigen steht, die man nicht sieht, die kämpfen müssen um Anerkennung und einen Platz in der Gesellschaft, und dabei immer wieder gegen verschlossene Türen rennen. Dafür findet der Film eigene, unverbrauchte Bilder und wird getragen von einer beeindruckenden Hauptdarstellerin, die gemeinsam mit ihrem Regisseur niemals auch nur in die Nähe der Verlegenheit kommt, ihre Figur zu verraten.

Eine Lobende Erwähnung des Jurypreises 2021 erhält FABIU von Stefan Langthaler.

Ein sinnlich, dabei spannend inszenierter Film über die kurze Begegnung zweier Männer, die unterschiedlicher kaum sein könnten, der sich auch dank seiner großartigen Bildsprache – Blicke, Details, auch Schweigen – ohne jeden Kitsch in die Psychologie seiner Figuren einzufühlen vermag und somit ein toller Ausweis des Talentes seines Regisseurs ist.

Der Innovationspreis der 14. filmzeitkaufbeuren und der Preis der Schulfilmzeit gehen an TOP DOWN MEMORY von Daniel Theiler.

Von Liebknecht über Mussolini zu Justin Bieber – voller Witz, Einfallsreichtum und filmischer Experimentierfreudigkeit vermittelt der Gewinnerfilm eine kurze Kulturgeschichte des Balkons als Herrschafts- und Kommunikationsinstrument. Nicht allein, dass das kollektive Gedächtnis umgegraben wird – man wird einen Balkon künftig auch ganz anders betrachten.

Eine Lobende Erwähnung des Innovationspreises 2021 erhält HAVE A NICE DOG! von Jalal Maghout.

Ein animierter Geniestreich mit eigenwilligem, äußerst expressivem Stil, der den Alptraum des Seelenlebens in einer bedrückenden Zwischenwelt zwischen Krieg und Emigration in beeindruckender Weise einzufangen weiß.

Jurypreis: ÉCOUTE-MOI (LISTEN TO ME)

Frankreich 2020, Spielfilm von François Hoskovec

ÉCOUTE-MOI schafft es, den Zuschauer auf magische Weise zu berühren. Der Film erzählt von einem taubstummen jungen Mann, der trotz seiner tonarmen Welt in den Bann der Musik gerät und sich durch die universelle Kraft der Klänge zu einer Frau hingezogen fühlt.

Die ungewöhnliche Ton-Ebene, die gefühlvolle Kamera-Arbeit und die darstellerische Leistung machen den Film zu einem ganz besonderen Werk. Der Regisseur François Hoskovec lässt uns Zuschauer für kurze Zeit in die stille Welt der Gehörlosigkeit eintauchen.

Insgesamt besticht ÉCOUTE-MOI durch seine stimmige Umsetzung und seine große Sensibilität.

» Videogruß des Regisseurs auf YouTube

Publikumspreis: DAS PROBESPIEL

Österreich 2019, Spielfilm von Guy Lichtenstein

Sarah, eine junge und talentierte Cellistin, spielt mit einem Streichquartett auf Privatveranstaltungen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Auf einer solchen Hochzeit trifft sie ihren Exfreund wieder. Er ist der Bräutigam. Sarah erinnert sich an ihre gemeinsame Vergangenheit und deckt für den Zuschauer auf, was für den Bräutigam unsichtbar bleibt. Ein Film über Entscheidungen in Karriere und Privatleben, in Rückblenden erzählt.

Als bester Dokumentarfilm wurde MEISJESJONGENSMIX (GIRLSBOYSMIX) ausgezeichnet.

Niederlande 2020, OmU/en, Dokumentarfilm von Lara Aerts

Warum ist es so wichtig, ein Junge oder ein Mädchen zu sein? Wen Long erzählt unverblümt, dass sie als Intersex-Person geboren ist. Sie/er mag Jungen-und Mädchenspielzeug und -kleidung. Damit haben andere ein Problem. Wen Long will sich nicht entscheiden müssen, sondern vor allem sie selbst sein. Trotzdem fragt sie sich: Wo gehöre ich dazu?

SEEPFERDCHEN

Deutschland 2021, Dokumentarfilm von Nele Dehnenkamp

Hanan begleitet ihren Bruder zum Schwimmkurs. Als sie in einem Boot nach Europa kam, konnte sie nicht schwimmen. Um diese Erfahrung zu verarbeiten, lernte sie, nicht unterzugehen – und wurde Schwimmtrainerin.

» Interview mit der Produzentin Christine Duttlinger
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Sonderpreis: HAEBERLI

Deutschland 2020, OmU/de, Dokumentarfilm von Moritz Müller-Preißer

Mitten im noblen Wintersportort St. Moritz im Engadin kämpft Adolf Haeberli gegen den Politapparat der Gemeinde und um sein Recht auf unordentlichen Eigensinn – im Dorf, im Haus und im Kopf.

Hauptförderer

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